"Aetzstoff, Tinctura acris sine Kali"
"Man nimmt ein Stück frisch gebrannten Kalk von etwa zwei Pfunden,
taucht dieses Stück in ein Gefäss voll destillirten Wassers,
eine Minute lang, legt es dann in einen trockenen Napf, wo es bald, unter
Entwickelung vieler Hitze und dem eigenen Geruche, Kalk-Dunst genannt,
in Pulver zerfällt. Von diesem feinen Pulver nimmt man ... mischt
damit in der ... porcellänenen Reibeschale eine Auflösung von
zwei Unzen bis zum Glühen erhitztem und geschmolzenem, dann, wieder
erkühlt, gepülvertem, doppelsaurem schwefelsaurem Kali ... in
zwei Unzen siedend
heissem Wasser, trägt diess dickliche Magma in einen kleinen gläsernen
Kolben, klebt mit nasser Blase den Helm auf, und an die Röhre des
letztern die halb in Wasser liegende Vorlage, und destillirt ... alle Flüssigkeit
bis zur Trockenheit ab."
Auf der Suche nach einer verbesserten Version einer Tinctura acris,
einer laugigen Ätzsubstanz hat Hahnemann mit der Herstellung von Causticum
neue Wege beschritten. In einem genau beschriebenen Produktionshergang
soll ihm eine scharfe ätzende alkalisch riechende Substanz gelungen
sein, welche er Causticum nannte und deren Symptome sich in seiner AMP
nachlesen lassen.
Bei dem Versuch, Causticum erneut herzustellen, mußten spätere
Homöopathen aber feststellen, dass keineswegs eine ätzende laugige
Substanz herzustellen war. Je nach Versuchsanordnung entstanden unterschiedliche
Produkte, deren "aktive" Substanzen einmal Ammoniumcarbonat oder einfach
nur Wasser waren.
Schließlich kann bei der Betrachtung der Herstellungsanleitung
Hahnemanns für Causticum am Ende des Prozesses theoretisch nichts
anderes als Wasser entstehen. Erst H.A. Grimm hat mit seiner Veröffentlichung
in der KH 1989 (Band 33) die Herstellung einer leicht alkalisch
ätzenden Substanz namens Causticum schlüssig auf eine Verunreinigung
mit Kalilauge zurückgeführt und setzte damit der 150 Jahre dauernden
Diskussion um die originäre Herstellung dieses zweifellos wichtigen
Mittels in der Homöopathie ein Ende.