"Der gegrabene Braunstein oder das schwarze Braunstein-Oxyd wird
mit gleichen Theilen an Gewichte krystallinischem, reinem Eisenvitirol
(schwefelsauerm Eisen) genau in der steinernen Reibeschale zusammen gerieben,
und dann, mit etwas Zuckersyrop gemischt, zu Hünerei grossen
Kugeln geformt, welche zwischen scharf glühenden Holzkohlen erhitzt
und zehn Minuten im Weissglühen erhalten werden. Die nachgängige
Auflösung derselben in reinem, (destillirtem oder Regen-) Wasser enthält
reinen, schwefelsauern Braunstein, während der Satz das überschüssige
Braunstein-Oxyd mit Eisen-Oxyd vermischt enthält. Der mit Natron aus
der hellen Auflösung gefällte und mit Wasser oft genug abgespülte,
kohlensaure Braunstein ist ein weisses Pulver, das getrocknet, gepülvert
und einige Zeit, auf Papier an der Luft ausgebreitet ... Von diesem
weissen kohlensauern Braunstein (manganum carbonicum) ..."
Hahnemann "Die chronischen Krankheiten", Band IV, S. 214
Auch wenn Hahnemann Mangan mit dem Synonym Manganaise oder Magnesie
belegte und damit der Verwechslung mit Magnesium eine Tür öffnete,
handelt es sich bei der Herstellungsanleitung eindeutig um die Produktion
einer im wesentlichen Mangancarbonat enthaltenden Arznei:
Während man heute unter Braunstein das Mangan(IV)oxid MnO2 versteht,
verstand man zu Hahnemanns Zeiten darunter auch andere (eben braun-schwarze)
mineralische Mangan-Oxide. Teilweise enthalten diese auch noch andere Elemente
in Spuren wie Silicium oder Eisen. Der ursprüngliche Name Braunstein
bezeichnete Magnesium niger oder Magnesia nigra (nach dem antiken Landschaftsnamen
"Magnesia"), damit eine Manganverbindung. Magnesia alba bezeichnete mit
der weißen Bittererde Magnesiumcarbonat, also ein Magnesiumsalz.
Als verbale Verstümmelung und besonders in französischen Quellen
findet man dagegen den Begriff Manganaise (Manganese) für Braunstein,
und Manganaise blanche für weiße Bittererde.
Als ein Schwede 1774 erstmals Mangan durch Reduktion von Manganoxid
aus Braunstein als Metall darstellte, nannte er es Mangan nach dem ihm
gängigen Namen Manganaise. (damals sprachen die gebildeten Schweden
französisch). Als 1828 v. Liebig das andere Element (Magnesium) aus
Bittersalzen isolierte, wurde es dann Magnesium genannt (auch Magnium und
Talcium).
Herkunft des Mittels (Mang-acet.)
Mangan bestimmt in seinen Verbindungen den
arzneilichen Charakter, so daß ein Unterschied zwischen Manganum
aceticum, carbonicum und muriaticum nicht gemacht wird. Auch Kalium permanganicum
gehört hierher.
(...)
Mangan, dem Eisen sehr nahestehend,
ist in geringen Spuren stets im Körper vorhanden. Es gehört zu
den Spurenelementen. Bei seinem Fehlen wurde bei Schafen eine schwere Erkrankung
des Blutes festgestellt, die durch kleine Gaben von Mangan, dagegen nicht
durch Eisen, geheilt werden konnte. Man kann also Mangan zu den lebensnotwendigen
Stoffen rechnen. Jedoch tritt beim Menschen durch größere Mengen
Vergiftung besonders des Zentralnervensystems ein.
(...)
Literatur (zu Manganum Aceticum)
HAHNEMANN: Die chronischen Krankheiten, 2.Aufl.,
Bd. 6, und HAHNEMANN: Reine Arzneimittellehre, Bd. 4. Bei HAHNEMANN sind
auch einige Symptome von Manganum carbonicum aufgenommen. Die Giftwirkungen
von Mangansuperoxyd (Braunstein) sind bei LEWIN ("Gifte und Vergiftungen")
ausführlich dargestellt (S. 329: Der chronische Manganismus).
ALLEN: Encyclopedia, Bd. VI.
HUGHES: Cyclopaedi
Mezger: Gesichtete homöopathische Arzneimittelehre, Haug Heidelberg 1961