Zincum metallicum |
metallisches Zink |
Zinc. |
Hahnemann "Die chronischen Krankheiten", Band V, S. 428
"Von einem Stücke reinen metallischen Zinkes wird auf einem
feinen Abzieh-Steine unterdestillirtem Wasser in einer reiner, porcellanenen
Schale etwas abgerieben,das zu Boden gesunkene, graue Pulver auf weissem
Fliess-Papiere getrocknet undein Gran davon ... angewendet ..."
Zink ist das unscheinbare Metall: Das Typische ist, daß es
nichts Typisches hat -natürlich aus chemischer Sicht. Während
Eisen im Körper jedem bekannt ist, weil es O2 transportiert, und Kupfer
eine Geschichte hat, an der man die Entwicklung der Metallurgie auffädeln
kann, während Gold der Fokus der Sehnsucht vieler Menschen ist, und
jedermann ein Aluminiumfahrrad haben will, hat es Zink lediglich geschafft,
sich als Metall klammheimlich und unauffällig in das Alltagsleben
so einzuschmuggeln, daß wir es kaum bemerken.
Das Eigenartige beim Zink als Metall ist, daß der hohe praktische
Nutzen in amüsantem Kontrast steht zu seinen einfachen Eigenschaften.
Zink ist unedel aber dient dem Rostschutz, es ist thermisch und mechanisch
nicht sehr beanspruchbar, aber trotzdem findet es als Gußzink vielfältige
Anwendung, Zink ist grau und monochrom als Metall, aber einer der wichtigsten
Leuchtstoffe, früher waren die Kopierpapiere zinkoxidbeschichtet,
Zinksulfit macht alle Bilder in der Glotze bunt (außer Rot), Eisen
versteckt sich hinter Zink, damit es nicht rostet, und ganz nebenbei schmieren
wir uns und unseren Kindern täglich Zinkoxyd auf die Haut oder waschen
mit Zinkverbindungen unsere Haare gegen Schuppen. Spielauto, Metallteile
am Rasierapparat, Türgriffe aus Messing, Radiobatterien, Leuchtstoffe
im TV, überall finden wir Zink. Wenn man so möchte, dann entwickelt
Zink unerwartete und vielfältige Qualitäten, weil es keinen Partner
besonders fest oder bevorzugt an sich bindet. Gerade in den Ionenbindungen
oder im Metallgitter verhält sich Zink eher unentschlossen, bildet
mal Oktaeder, mal Hexaeder, je nach Ligand. Nicht daß ich die anorganische
Chemie des Zink und seine Besonderheiten annähernd verstanden hätte,
aber das besondere an Zink ist genau diese Anpassungsfähigkeit an
die Umgebung: Zink funktioniert einfach, ohne daß wir seiner ständig
gewahr werden müßten.
Die überlieferte Geschichte ist genauso unspektakulär
wie das Zink: erste Gewinnung in Europa Anfang des 16. Jahrhundert aus
Abfall, aus dem Ofenbruch der Blei- und Kupferhütten im Harz. Der
Name leitet sich wahrscheinlich von den Zacken und Zinken des Ofenbruches
ab. Paracelsus nannte Zink den Bastard der Metalle: unedler Name, unedle
Herkunft, uncharakteristische Eigenschaften, und dennoch ist es ein Allerweltsmetall
geworden: So ist Zink neben Eisen, Alu, Kupfer das viert-wichtigste Metall
in der Hierarchie der Metallproduktion.
Essentielles Spurenelement, 2-3 g Körperbestand, Umsatz doppelt
so hoch wie Eisen: DNA Synthese, Vitamin A Stoffwechsel, Wundheilung. So
berühmt wie das Eisen für den Sauerstofftransport, so bescheiden
erledigt Zink in der Carboanhydrase -ebenfalls im Erythrozyten- die Entsorgung
des CO2. Das meiste Zink findet man in der Samenflüssigkeit, ohne
daß es eine Erklärung dafür gäbe. Interessant ist,
daß Zink in den Membranen sitzt und dort Schutzfunktionen ausübt.
Zink blockiert freie Radikale
Zinkmangel verursacht Appetitlosigkeit, gestörte Geschmacks und Geruchsempfindungen, dann geistige Verwirrung, Ausschläge an Beinen und im Mund, ausbleibende Wundheilung, Infertilität und Störung der Infektabwehr.
Noch gar nicht so alt ist die Erkenntnis (1974), daß die erbliche
Acrodermatitis entheropathica eine Zinkmangelerkrankung ist, welche --früher
tödlich-- heute durch massive Substitution zu behandeln ist: Symptome
sind Durchfall, Hautverdickung, Ulzerationen an Körperöffnungen.
Zinkdämpfe machen Gießerfieber wie Kupfer oder Zinn:
Grippeartige Symptome nach Inhalation (Schweißen, Gießerei).
Eigentlich sind Zinkverbindungen relativ untoxisch. Die schlimmere Vergiftung
erfolgt durch Ingestion von Lötwasser, häufig Zinkchlorid, das
in wässriger Lösung eine starke Säure darstellt und entsprechende
Verätzungen macht, mit einem Ansteigen des Zinkspiegels bis hin zu
echten Zinkvergiftungen: Die Vergiftung führt neben gastrointestinalen
Störungen v.a. zu einer ZNS Depression, Tremor, peripheren Extremitätenlähmungen,
Müdigkeit und verminderten Reflexen: Man kann also Zink als primär
neurotoxisch einordnen, sofern man entsprechende Mengen in den Körper
hineindrückt.
Das Arzneimittelbild von Zinc. wird bei Klassikern wie Boericke
oder Kent primär als eine Kombination von Schwäche einerseits
und neurologischen Auffälligkeiten andererseits beschrieben.
Nash schreibt: Das Nervensystem ist nicht mehr imstande, die Kräfte zur Erhaltung der für die Gesundheit nötigen Funktionen oder zur Ausscheidung von Krankheitsprodukten aus dem Körper zu liefern, und schränkt dies auch gleich als Spekulation ein. Boericke gibt als Beispiel: Wenn bei Scharlach oder einer anderen Ausschlagserkrankung der Ausschlag sich nicht richtig entwickeln will wegen zu großer Schwäche des Patienten, wie es sich im Puls oder an der Temperatur zeigt, so ist Zincum sehr dienlich. Bei Cuprum wurde der Ausschlag eher unterdrückt, bei Zincum kommt er gar nicht erst raus, oder verschwindet sogleich wieder infolge von Schwäche.
Wenn man in den moderneren Betrachtungen nachsieht bei Vithoulkas, Scholten
oder Mangialavori nach Zinc. sucht, so findet man dort in etwa folgende
interessante Interpretation: Der Zinc-Patient. hat sich in seinem Leben
danach einrichten müssen, alle Energie in intellektuelle Fähigkeiten
zu verlegen, dort ist er extrem leistungsfähig; aber diese Leistungsfähigkeit
ist nur aufrechtzuerhalten, wenn er seine Emotionen stark unterdrückt.
Typisch ist jener Prüfungstraum (eines Holländers): Ich war in
Ferien in den Bergen. Es gab sehr viel Schnee, und die Chance eingeschneit
zu werden war recht hoch, was bedeutete, daß ich nicht würde
zurückfahren können und mein Studium würde sich um ein weiteres
Jahr verlängern". Ein derart gefordertes Nervensystem entwickelt schließlich
die typischen Zinc-Symptome der Übererregbarkeit, der Unruhe mit nervöser
Schwäche, das Zittern und Zucken der Extremitäten und zentralnervöse
Entzündungen, wie Meningitis und Enzephalitis.
nach:
Vahrenkamp, H.: Zink, ein langweiliges Element? Chemie in unserer
Zeit, 1988 (22), 3; s. 73
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